WAZ Hattingen 14.03.2016

Musikalische Zahlenspiele

Was hat Musik mit Mathematik zu tun? Die Antwort gaben die Jungen Hattinger Sinfoniker
bei ihrem Konzert in der Aula der Gesamtschule in Welper.
13.03.2016 | 16:11 Uhr


Foto:Manfred Sander

Junge Hattinger Sinfoniker geben in der fast ausverkauften Gesamtschul-Aula ein
stimmungsvolles Konzert. Zu hören: Filmmusik, Klassiker, Opernstücke


Filmmusik, Klassiker und Oper – die Jungen Hattinger Sinfoniker präsentierten am
Freitagabend in der fast ausverkauften Aula der Gesamtschule ihre Vielseitigkeit in einem
mitreißenden Konzert unter dem Motto „Zahlenspiele“.
Was hat Musik mit Mathematik zu tun? Die Antwort weiß eine große zweiteilige Uhr zu
beiden Seiten des Bühnenportals. Sie zeigt Zahlen an, die etwas mit den gespielten Stücken zu
tun haben. Drei plus eins – damit können nur die „Drei Musketiere“ gemeint sein, zu denen
sich noch d’ Artagnan gesellt. Michael Kamens (1948-2003) Filmmusik zum Erfolgsroman
von Alexandre Dumas interpretierte das Orchester mit viel Schwung.
Einen typischen „Tea Time“-Walzer hat Benedikt Brydern (*1966) geschrieben:
Entsprechend der englischen Tradition des Fünf-Uhr-Tees steht er im 5/4- Takt statt im
gewohnten 3/4-Takt. Diese rhythmische Vertracktheit meistern Bernd Wolf und die Jungen
Hattinger Sinfoniker souverän und lassen dabei Walzerfeeling aufkommen.
Aber auch Klassik gestalten die Nachwuchstalente unter Wolfs Leitung packend: In zügigen
Tempi interpretieren sie den ersten Satz der Sinfonie h-Moll, auch die „Unvollendete“ D 759
genannt, von Franz Schubert (1797-1828). Bebend-vibrierende Streicher im Wechselspiel mit
Holzbläsern lassen eine dramatische Spannung aufkommen, die unter die Haut geht: Hier
pochen die Pulse.
Auch Dirigent Wolf-Dieter Schäfer steuert ein Werk aus der Klassik bei: Den zweiten Satz
aus Joseph Haydns (1732-1809) Sinfonie Nr 101 „Die Uhr“ spielt das Orchester mit nahezu
kammermusikalischer Intimität, dynamische Akzente erzeugen Spannungsmomente. Astor
Piazzollas (1921-1992) Café 1930 begeistert sowohl durch die nostalgischen Tangoklänge,
die die Geschichte des Tanzes von seinen Anfängen in argentinischen Kaschemmen um 1900
bis in die 90er Jahre nachzeichnen, wie auch durch ein ungemein stimmungsvolles Oboensolo
von Benjamin Völkel voll lasziv-subtiler Erotik.

Spontanen Applaus ruft Amilcare Ponchiellis (1834-1886) „Tanz der Stunden“ aus seiner
Oper „La Gioconda“ hervor. Andere Höhepunkte des Konzerts sind die Filmmusik von John
Williams (*1932) zu „Schindlers Liste“ mit einem nostalgischen, nuancenreich
ausschattierten Solo von Geigerin Christiane Büscher unter Leitung von Gunnar Wirth. Und
wie farbig die Musik von Johann Sebastian Bach klingen kann, zeigen die Jungen Hattinger
Sinfoniker in ihrer Interpretation einer Bearbeitung der Fantasie und Fuge c-Moll von Edward
Elgar (1857-1934).
Mit einem Augenzwinkern endet ein stimmungsvolles Konzert mit dem Tahiti Trot op. 16
von Dimitri Schostakowitsch (1906-1975) nach Voncent Youmans (1898-1946) „Tea for
Two“.
Konstanze Führlbeck
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