WAZ Hattingen Kritik 13.03.17

Anspruchsvolle Klassik in Hattingen im Zeichen der Karten

Konstanze Führlbeck

13.03.17

Die Karten gaben vor, was die Jungen Hattinger Sinfoniker fürs Publikum spielten. Das Konzert war fast ausverkauft. Foto:Manfred Sander

hattingen.   Klangvollen Querschnitt der Jungen Sinfonier bei „Bube, Dame, König, As“. Frühjahrskonzert fast ausverkauft. Satte Farben, prägnante Rhythmen.

Bube, Dame, König, As – das Frühjahrskonzert der Jungen Hattinger Sinfoniker am Freitagabend in der Gesamtschule in Welper mit den Dirigenten Bernd Wolf, Wolf Dieter Schäfer und Gunnar Wirth präsentierte einen klangvollen Querschnitt durch die Welt der Klassik, ganz im Zeichen der Karten.

In der fast ausverkauften Aula der Schule konnten die Besucher die Kartenszene aus Georges Bizets (1838-1875) Oper „Carmen“ hören, in der die drei Zigeunerinnen aus den Karten ihre Zukunft erfahren wollen. Carmen zieht die Pik-Dame, das Symbol des Todes. Die plötzlich einbrechenden düsteren Farben der tiefen Streicher und die dräuende Spannung, die in markantem Kontrast zu den neckischen, warmen Klängen der anderen Frauen stehen, gestalten die Jungen Hattinger Sinfoniker unter Leitung von Wolf Dieter Schäfer schwungvoll und mit klar umrissenen Konturen.

Spritzige Operettenouvertüre

„Pique Dame“ ist auch der Titel einer Oper von Peter Tschaikowsky und einer Operette von Franz von Suppé (1819-1895). Gunnar Wirth und die Jungen Hattinger Sinfoniker entschieden sich für die spritzige Operettenouvertüre, die das Orchester in schönen, bemerkenswert sicheren Tempi und faszinierenden Klangfarbenkontrasten spielt.

Äußerst fesselnd und einer der Höhepunkte des Konzertes ist die Interpretation von Zoltan Kodalys (1882-1967) „Háry János“. In sehr plastischen Konturen gestaltet das Orchester hier ein tönendes Relief, lautmalerische Akzente lassen diese programmatische musikalische Erzählung voller Schwung und Spannung unter Leitung von Wolf Dieter Schäfer ungemein lebendig wirken. Das Wiener Glockenspiel wird hier ebenso hörbar wie das Toben einer Schlacht oder der feierliche Einzug der Sieger.

Den König im Ensemble der musikalischen Kartennummern repräsentiert das Vorspiel des ersten Aktes aus der Oper „Le Roi Arthus“ des französischen Romantikers Ernest Chausson (1855-1899). Volle Klänge, klar umrissene Themen und markante Rhythmen charakterisieren hier das Spiel des Orchesters.

Die Dame im Reigen der musikalischen Karten repräsentiert Sammy Fains (1902-1989) Filmmusik zu „Alice in Wonderland“, einem der ersten Disneyfilme. Hier überzeugen die Jungen Hattinger Sinfoniker durch ein sehr ausgewogenes Klangbild voll satter Farben und prägnanter Rhythmen, in denen die Abenteuer der jungen Alice in dem Land, in dem alles anders ist, musikalische Gestalt annehmen.

Walzerträume und vibrierende Musik

Walzerträume in As, ein Walzermedley von Wolf Dieter Schäfer, Astor Piazzollas (1921-1992) ergreifendes, „Adios Nonino“, komponiert zum Tode seines Vaters, dessen Emotionen das Orchester sehr expressiv widerspiegelt, und David Arnolds (*1962) vibrierende Musik zum Bond-Film „Casino Royale“ runden ein ungemein interessantes und anspruchsvolles Konzert in Welper ab.