WAZ Witten 08.03.2015

Kreissinfonieorchester spielte im Wittener Ruhr-Gymnasium
08.03.2015 | 15:15 Uhr

Konzert des Kreissinfonieorchesters in der Aula des Ruhrgymnasiums. Zum Auftakt wurde die Suite "Carnevale di Venezia" gespielt. Zahlreiche Instrumentalisten hatten sich dazu, wie auch der Dirigent, mit venezianischen Karnevalsmasken geschmückt.

Die Karnevalszeit ist vorbei. Das hinderte die über sechzig meist jungen Musiker aber nicht daran, am Samstag in der Aula des Ruhr-Gymnasiums ein Programm mit karnevalistischem Hintergrund zu spielen. Das Kreissinfonieorchester EN – bis vor kurzem noch „Junge Hattinger Sinfoniker“ – bevorzugt dabei Stücke aus südlichen Breiten, anders gesagt: „von Venedig bis Rio“.

Die Suite „Carnevale dí Venezia wurde von Wolf Dieter Schäfer aus Werken der venezianischen Komponisten André Campra und Antonio Vivaldi zusammengestellt und bearbeitet. Die jungen Musiker gingen gleich mit Feuereifer ans Werk und gestalteten die teils heiteren, teils ruhigen Sätze mit präzisem Spiel und Liebe zum Detail. Besonders die doppelt besetzten Holzbläser gefielen mit ihrem ausgewogenen Klangbild. Beim letzten Satz „Marche du Carnaval“ entfaltete das gesamte Orchester sein großes Klangvolumen.

Bei der gewaltigen „Parade der Wagenlenker“ aus dem berühmten Hollywoodfilm „Ben Hur“ verband das Orchester Begeisterung mit Lautstärke – ohne Zurückhaltung! In der relativ kleinen Aula führte das die Zuhörer akustisch bis an die Schmerzgrenze. Das gleiche gilt für die nicht weniger bekannte Filmmusik zu „Die glorreichen Sieben“, die allerdings mit ihrer eingängigen Melodie zum Ohrwurm wurde.

Das technisch anspruchsvollste Werk war die Ouvertüre „Römischer Karneval“ von Hector Berlioz. Hier zeigten die Musiker neben ihrer Begeisterung auch ihr handwerkliches Können. Es gelang fast alles. Der Gesamteindruck war durchsichtig und verständlich.

Das Orchester wurde von drei Dirigenten (Bernd Wolf, Gunnar Wirth und Wolf Dieter Schäfer) im Wechsel geleitet. Alle drei fanden die richtige Ansprache für die Musiker.

Wie ein Ruhepol zwischen fetzigen Stücken erklang melancholisch die Bossa Nova „Karnevalsmorgen“ aus dem Musical „Orfeu Negro“. Hier zeigte sich der Pianist Tillmann Wolf als versierter Jazzpianist.

Der „Carnaval de Paris“ wurde zur Fußball-WM 1998 in Paris komponiert. Das Orchester erzeugte echte Stadionsstimmung. Man hörte die Trillerpfeife des Schiris und ein tüchtiger Schlagzeuger heizte die Schlachtgesänge an.

Peter Tölke